Themenbeiträge Menschen

Phasen des Erwachens

Autorin: Ute Kowalski, 19.04.2016

 
Die Phasen unseres Erwachens können sehr unterschiedlich sein. Während wir beginnen, uns zu erinnern wer wir wirklich sind, kann es viele wunderschöne Augenblicke geben.
 
Augenblicke voller innerer Erfüllung. Augenblicke von stillem Glück. Augenblicke in denen uns eine tiefe Liebe erfüllt und wir uns so angenommen fühlen, wie wir sind. Augenblicke voller tiefer Verbundenheit.
 
Allerdings gibt es auch Augenblicke in unserem Leben die sich anfühlen wie die dunkelste Dunkelheit der wir jemals begegnet sind.
 
Es gibt Augenblicke in denen wir uns völlig verlassen vorkommen.
Es gibt Augenblicke die einsamer sind als jede Einsamkeit die wir kennen.
Es gibt Augenblicke in denen wir verwirrter sind als jemals zuvor.
 
Auch diese Augenblicke gehören mit zu unserem Weg, wenn wir und aufgemacht haben, zu erwachen. Es ist einfach nur die andere Seite ...
 
Einsamkeit und dennoch so viel Liebe

Als ich zum ersten Mal ganz bewusst die Liebe meiner Seele wahrgenommen habe, war es das sanfte Atmen, welches mich dieser Liebe näher gebracht hat. Ich spürte diese tiefe Verbundenheit, dieses Vertrausein. Es war ein warmes Gefühl, welches mir Halt und Geborgenheit gab.
 
Eine tiefe Verbundenheit, die ich vorher in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Alles war ausgefüllt mit Liebe.
 
Aber auch dieses Empfinden begann sich wieder aufzulösen. Ich verstand es gar nicht und eigentlich wollte ich es festhalten, damit ich immer diese wunderbare Liebe spüren dürfte. Es war so schmerzhaft.
 
Diesen Trennungsschmerz erleben viele erwachende Menschen, wenn sie beginnen sich wieder mit der Liebe zu verbinden. Liebe öffnet uns und hilft uns dabei wieder zu fühlen. Liebe weitet das Herz. Wir beginnen uns wieder zu erinnern, dass wir Teil dieser Liebe sind und umso schmerzhafter ist es, wenn wir dann spüren, dass dieses Gefühl nicht von Dauer ist.
 
Offen zu sein, alles zu verlieren
 
Oftmals versuchen wir dieses wundervolle Gefühl von Verbundenheit zu erzwingen oder sogar zu erkämpfen. Die Lösung lautet:
 
„Höre auf zu kämpfen. Sei offen, alles zu verlieren.“
 
Aber ganz ehrlich, wer besitzt denn schon den Mut sich dafür zu öffnen, alles zu verlieren? Was sollte der Sinn dahinter sein?
 
Je mehr es mit aber möglich war zu vertrauen und zu wissen, dass in jedem Augenblick für mich gesorgt ist und das immer nur das Heilsamste für mich geschieht, je einfacher wurde es für mich, um die Liebe zu kämpfen. Ich brauchte nicht mehr versuchen das schöne Gefühl festzuhalten und umso mehr konnte ich wahrnehmen, dass ich auf einer viel tieferen Ebene verbunden bin.
 
Solche Schritte bedürfen Mut und auf meinem Weg werde ich immer wieder eingeladen alles loszulassen. Manchmal frage ich dann: „Wie, schon wieder?“ oder „Was, noch mehr loslassen?“
 
Ich befinde mich in einem immerwährenden Loslassprozess. Ich lasse gewisse Vorstellungen über das Leben los. Ich lasse Vorstellungen über mich selbst los. Ich lasse Techniken los, die ich anwende. Manchmal löst sich alles auf, um dann wieder neu entwickelt zu mir zurückzukehren. Manchmal verschwinden liebgewonnene Techniken, um zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzutauchen und ich stelle verwundert fest, dass es genau stimmig war, dass sie für eine Zeit gegangen waren. Es diente mir.
 
Oder ich stelle fest, dass sich dann neue Dinge zeigen dürfen, die ansonsten dahinter versteckt geblieben wären. Manchmal kommen auch liebgewonnene Dinge zurück, jedoch verwandelt und entwickelt, sodass sie mir etwas mitbringen, was vorher nicht da war.
 
Loslassen beinhaltet Raum für Neues. Loslassen bedeutet, dass wir es nicht mehr alleine tragen müssen. Wir dürfen uns helfen lassen.
 
Verlust- oder Existenzängste
 
Mir persönlich ist noch kein erwachender Mensch begegnet, der nicht in irgendeiner Art mit Verlustängsten konfrontiert worden wäre. Bei jedem von uns zeigt sie sich an anderer Stelle.
 
Viele erleben dies auf der körperlichen Ebene. (Ich glaube mein Körper schafft das nicht!)
 
Viele erleben dies auf finanzieller Ebene. (Ich glaube ich lande unter der Brücke!)
 
Viele erleben dies auf Beziehungsebene. (Ich glaube ich werde zum Außenseiter!)
 
Verlust – oder Existenzängste wirken bedrohlich und packen uns genau dort, wo es am unangenehmsten ist.
 
Sie berühren uns dort, wo wir noch am Alten festhalten. Sie rütteln und schütteln uns kräftig durch, besonders dort, wo wir noch am Kämpfen sind, wo wir noch nicht vertrauen. Es sind die Stellen, wo wir uns anstrengen und glauben, dass wir alleine sind. Gerade zurzeit begegnen mir wieder vermehrt Menschen, die mir darüber berichten, dass sie sich so alleine fühlen.
 
Ich kann mich noch sehr gut an meine Erfahrung mit diesen Themen erinnern und im Grunde ist es ja so, dass sie mir immer mal wieder im Leben begegnet. Dieses mich überrollende Gefühl von Verlust- und Existenzangst trieb mit mir seine Späße. Mein Verstand hatte alles im Griff und ließ seinen überschäumenden Horrorszenarien und Dramenexzessen freien Lauf. Ich dachte mein Innerstes wird nach Außen gekehrt und in meinem Bauch fühlte ich mich als würde ich von einem LKW angefahren werden.
 
Dies Lösung meiner Seele war: „Nicht kämpfen.“
 
Und so gab ich mich hin. Es waren manchmal wirklich Momente der totalen Befreiung, jedoch gepaart mit ganz viel Angst. Es fühlte sich an als würde ich Überschwemmt werden und genau das war die Lösung. Zulassen. Ohne zu kämpfen. Ich habe mich überschwemmen lassen und gleichzeitig losgelassen.
 
In diesen Prozessen fühlte ich mich dennoch gehalten. Während die Angst durch mich jagte fühlte ich die heilsame Stille des Bodens der mich trägt. Ich fühlte sicher, geborgen und angekommen.
 
Es war die Angst die zwischen mir und der Liebe stand, die ich so gerne wieder spüren wollte. Atemzug für Atemzug ließ ich mich darauf ein. Jeder Atemzug brachte mich der natürlichen Verbundenheit ein Stückchen näher und ich wusste, auf der anderen Seite wartet etwas ganz Schönes auf mich.
 
Einfach vertrauen
 
Die Liebe in uns führt uns auf einen balancierten Weg und diese Erfahrungen sind es, die uns vertrauen lassen. Ein neues Vertrauen darf entstehen und wachsen.
 
Ist es nicht an der Zeit, den manipulierenden Stimmen in unserem Verstand nicht mehr zu vertrauen?
 
Ist es nicht an der Zeit, Eltern, Lehrern, Kollegen oder Radio- und Fernsehsprechern nicht mehr zu vertrauen?
 
Das neue Vertrauen entsteht in uns, begleitet von der Liebe in uns.
 
Diese Liebe ist wahrhaftig.
 
Diese Liebe ist wahre Essenz.
 
Diese Liebe ist ein neuer Weg.
 
Es gibt einen besseren Weg und wir dürfen dem folgen. Dem Weg der Liebe.
 
Wir dürfen diese Liebe atmen.
 
Wir dürfen diese Liebe sprechen.
 
Wir dürfen diese Liebe leben.
 
Wir dürfen ein neues Vertrauen entstehen lassen. Wir dürfen beginnen, der Liebe in uns zu vertrauen. Wenn wir uns darauf einlassen dann merken wir sehr schnell, dass sich auch unser äußeres Leben wandelt. Unser Leben wird liebevoller und erfüllter. Die Landschaft unseres Lebens beginnt zu erblühen.
 
Die alten Stimmen in unserem Verstand beginnen leiser zu werden und sie verblassen, wenn wir beginnen auf das zu hören, was viel tiefer ist als jede Verstandesstimme. Wir hören auf die Stille. Wir hören auf die Liebe die uns trägt.
 
Mitgefühl für sich selbst
 
Wie lange dauert denn eigentlich solch ein Erwachungsprozess? Nun, ja, das kann man im Grunde gar nicht pauschal sagen. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine Geschwindigkeit, seine Themen. Man lässt sich auf eine tiefe innere Entwicklung ein und das ist nicht leicht. Es kann Augenblicke geben, da hängt einem das ganze Erwachen und der Wandel zum Halse raus und das ist auch okay. Das ist erlaubt und in Ordnung. Manchmal ist es auch wichtig zu jammern und zu stöhnen.
 
Einen liebevollen Umgang mit sich selbst lernen
 
Jeder von uns ist ein ganz besonderes Individuum und in der Phase des Erwachens werden wir äußerst sensibel. Wir hören mehr, wir riechen mehr, wir sehen mehr und wir empfinden insgesamt viel mehr als sonst. Hierfür ist es wichtig, für sich selbst einen neuen Umgang mit diesen Begebenheiten zu lernen. Es ist wichtig, dass wir uns eigene Räume erschaffen, in die wir uns zurück ziehen können. Es ist wichtig, dass wir uns so oft es geht, liebevolle Zeiten der Stille ermöglichen. Ein guter Tipp ist es auch sich mit Menschen zu umgeben, die an uns und unseren Weg glauben.
 
Unsere Seele fragen
 
Ich bin immer wieder erstaunt, wie oft ich erwachende Menschen treffe die nicht ihre innere Intuition nutzen, um zu verstehen was gerade in ihrem Inneren geschieht. Das mag daran liegen, dass wir nie gefördert wurden auf unsere eigene Weisheit zu hören. Doch wenn wir beginnen unsere Seele zu fragen, was gerade in unserem Inneren heilt und sie um Hilfe bitten, dann werden wir merken, dass wir eine ganz intensive Form von Unterstützung bekommen.
 
Die alten Stimmen in unserem Verstand
 
Unser Verstand kann uns nur die Erkenntnisse der Vergangenheit mitteilen. Er ist wie ein Computer der unsere vergangenen Erfahrungen gespeichert hat. Zurzeit bewegen wir uns jedoch über das hinaus was früher war und jetzt hat der Verstand keine passenden Informationen für uns. Weiterhin haben auch Menschen die nur im Verstand verankert sind, keine Informationen für uns. Dies ist die Zeit wo wir lernen dürfen auf unsere innere Stimme zu hören und es ist gut für uns, wenn uns Menschen inspirieren, die sich von der Liebe leiten lassen.
 
Auch das wird vorüber gehen ...
 
Im Erwachensprozess geschehen oft Dinge die sehr unangenehm für uns sind – aber auch das wird vorüber gehen. Auch wenn wir das Gefühl haben, unser ganzes Leben steht auf dem Kopf. Es wird vorüber gehen. Je besser es uns geling, nicht zu kämpfen sondern mit dem zu sein, was ist, desto schneller kann es vorüber fließen. Je liebevoller wir in solchen Augenblicken zu uns selber sind und uns so akzeptieren, wie wir sind, desto weicher darf alles werden. Je weicher wir atmen, umso mehr Spannung löst sich auf. Die Freude kehrt zurück und wir erwachen an einem neuen inneren Ort.
 
Liebevolles und sanftes Atmen
 
Es ist meines Erachtens die schnellste Methode, um im Hier und Jetzt zu sein. Für mich ist es eine wundervolle Methode, um mich ohne großen Aufwand mit meiner Seele zu verbinden. Meine Seele, die mir so viel Liebe schenkt und mich tief in meine Mitte führt. Liebevolles und sanftes Atmen kann so heilsam sein. Probieren Sie es doch gleich einmal aus ...
 
Ich sage nicht, dass dieser Weg immer einfach ist, ich sage nicht, dass der Weg des Erwachens immer ein reines Fest der Freude ist aber, was ist schon immer einfach oder immer ein Fest der Freude?! So ist das Leben. Ein immerwährender Weg des Wandels, des sich Veränderns, der Transformation, der Entwicklung. Alles in seinem Rhythmus, alles in seinem eigenen Tempo.
 

Sie sind nicht allein auf Ihrem Weg. Wir sind gemeinsam unterwegs.
 

Bild:‚©Rita-Gaebel / PIXELIO.de'

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